Sprengstoff
Momentan liegt auf meinem Nachttisch das Buch “Sprengstoff” von Richard Bachman, dem Pseudonym aus den 80er Jahren von Stephen King. Ich lese das Buch nicht zum ersten Mal, sondern wie viele meiner Bücher zum zweiten, dritten oder x-ten Male. Ich kenne also das ungefähre Ende schon, auch wenn es eine Weile her ist, als ich das Buch das letzte mal angefasst habe.
“Sprengstoff” könnte vom Grundmotiv der Handlung eine Vorlage für den Film Falling Down mit Michael Douglas gewesen sein: Ein Mann dessen heile Welt um ihn herum langsam zusammenbricht und der selbst daran scheitert.
Barton George Dawes ist ein verheirateter erfolgreicher Manager einer Wäscherei in einer amerikanischen Stadt Anfang der 70er Jahre. Seitdem jedoch klar ist, dass durch das Autobahnbauprogramm der Stadt sowohl seine Wäscherei als auch sein eigenes Haus abgerissen werden müssen, verändert er sich zunehmend: er kauft sich scheinbar ohne Grund Waffen, er lässt den Termin ein Ersatzgebäude für die Wäscherei zu kaufen platzen, wodurch der Betrieb vor der Schliessung steht und auch um ein neues Haus für sich und seine Frau kümmert er sich nicht. Stattdessen zieht er sich immer mehr in sich selbst zurück, lässt seine Ehe scheitern, spricht mit seinem inneren Selbst, stellt sich vor sein Sohn wäre noch nicht tot. Sein ganzes Leben konzentriert sich auf seinen Hass auf die Autobahn, die Energiekrise und alles um ihn herum. Wann seine innere Bombe platzen wird, ist nur eine Frage der Zeit …
Ich habe manchmal richtig Angst dieses Buch aufzuschlagen, weil es King/Bachman schafft, Barton George Dawes als normalen Menschen darzustellen, der langsam an seinen scheinbar riesigen Problemen um sich herum zerbricht. Und haben wir nicht alle unsere eigenen Probleme, die uns scheinbar zu erdrücken drohen? Das was Dawes letztendlich zerbrechen lässt, ist so real und dem realen Leben so nah, dass es praktisch jedem passieren kann. Dies macht das Buch für mich absolut fesselnd, sorgt aber auch dafür, dass ich Angst habe, mich zu sehr mit Mister Dawes zu identifizieren …
Potenzielle Leser, die sonst nichts mit Stephen King anfangen können, sollten sich auf jeden Fall nicht abschrecken lassen. Seine ersten 5 Bücher (Sprengstoff, Amok, Menschenjagd, Todesmarsch und Der Fluch) die unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht wurden, sind jedenfalls nicht typisch King. Sein später veröffentlichtes “Regulator” ist dagegen für ein kleines Experiment von King “missbraucht” worden.