Der Dunkle Turm steht über allem, jede Geschichte im breit gefächerten Stephen-King-Universum ist eine Welt, eine Ebene des Dunklen Turms. Er beherrscht alles. Und er steht kurz vor dem Fall.
Im nunmehr fünften von sieben Romanen in der Dunkler-Turm-Saga “Wolfsmond” sind Roland und sein Ka-Tet immer noch auf dem Balken unterwegs und sind in Calla Bryn Sturgis angekommen. Einem verschlafenen Landstrich, das alle 23 Jahre von einem Rudel Wölfe heimgesucht wird, die von jedem kindlichen Zwillingspärchen einen Teil mitnehmen und “minder” wieder zurückschicken. Und Zwillinge werden in Calla Bryn Sturgis reichlich geboren. Roland, als Revolvermann aus Gilead aus der Linie des Eld, erweckt Hoffnungen in den Bewohnern der Calla, dass er, Eddie, Susannah und Jake ihnen helfen könnten. Doch hat das Ka-Tet soviel Zeit sich damit zu beschäftigen? Der Dunkle Turm und die Rose warten nicht. Doch es gibt einen Einwohner in der Calla, der nicht dorthin gehört: Father Callahan, einstmals Priester in der kleinen amerikanischen Stadt Salem’s Lot und er hat etwas in seiner Kirche, das Rolands und seiner Gefährten Interesse weckt. Noch während unser Ka-Tet sich in der Calla umsieht, werden neue drängende Probleme offensichtlich: die Rose, DIE ROSE, auf dem Manhattener unbebauten Grundstück ist in Gefahr und dann beginnen merkwürdige Veränderungen in Susannah vorzugehen …
Als Fan von Stephen King und ganz besonders auch der Dunklen Turm Saga, habe ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Allerdings war ich auch etwas skeptisch ob der Übersetzung. Der bisherige King-Übersetzer Joachim Körber arbeitet leider nicht mehr im Heyne-Verlag, so dass diesmal Wulf Bergner sein Glück versuchen durfte. Und wie man die Lokalisierung von Filmen verhauen kann, hat auch Wulf Bergner auf ganzer Linie versagt.
Man merkt der Übersetzung an, dass der Übersetzer die vorherigen Teile nie gelesen hat. Zum Beispiel heisst das Strategiespiel mit dem Roland und seine Widersacher im vierten Teil “Glas” spielen nun “Kastell”, während es bisher immer “Schloss” hies (offenbar heisst es im Original “Castle”), der ungesunde Irre, der Jake in Lud entführt heisst nun “Gusher”, obwohl er in “tot” noch übersetzt wurde und “Schlitzer” hiess, der altbekannte Ausspruch, der in bisher jedem Teil “die Welt hat sich weitergedreht” hiess, heisst nun näher an der Übersetzung orientiert “die Welt hat sich weiterbewegt. Und so geht das weiter und weiter und mit jedem neuen Auftauchen einer offensichtlichen Lieblosigkeit wird das innere Aufstöhnen lauter und murrender. Zudem hat Herr Bergner auch bei der Übersetzung weiterer (neuer) Begriffe nicht wirklich die Stimmung des Buches getroffen: das Verlassen der Welt Rolands und das teilweise Überwechseln nach New York wird “flitzen” genannt, was einfach … total blöd klingt. Es hiess im Original (vermutlich!) “whiz” und es wurde 1:1 übersetzt.
Während Stephen King dafür nichts kann, kann er durchaus etwas für die Storyentwicklung und die ist leider nicht mehr so überwältigend und mitreissend wie die ersten 4 Teile. War der 4. Teil “Glas” bei den Fans schon umstritten (man warf King vor, keine Liebesgeschichten schreiben zu können), riss er mich dennoch wieder in die grosse und dunkle Welt “Mittwelt”. Der fünfte Teil nun ist deutlich schwächer. Vielleicht liegt es daran, dass ich älter geworden bin (heul!) , vielleicht liegt es auch daran dass Stephen King älter geworden ist. Man spricht davon, dass wenn er diese Saga beendet hat, er mit dem Schreiben aufhören will …
Die Geschichte in “Wolfsmond” kommt recht schwer in Gang und am Anfang ist man total überrascht, wird das Ka-Tet um Roland doch total zerstritten dargestellt und droht auseinanderzufallen. Erst mit der Zeit kommt die altbekannte Faszination wieder auf, ohne jedoch die alte King-Qualitäten zeigen zu können.
Trotzdem werde ich natürlich auch die noch ausstehenden zwei Teile kaufen und ebenso gebannt konsumieren wie die bisherigen. Der sechste Teil “Susannah” ist jedenfalls schon bei Amazon lieferbar und der letzte und finale Schluss der Saga wird gegen Ende des Jahres erwartet. Mal sehen, ob es King gelingt nach einem über sieben Bücher aufgebauten Spannungsbogen ein würdiges Ende zu finden. Der fünfte jedenfalls endet – natürlich – mit einem Cliffhanger und einer sehr interessanten Integration des Autors selbst. Mehr wird jetzt aber nicht verraten
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