GNOME – Eine Erfahrung reicher
Ich hab die letzten Tage (schon wieder) eine neue Linux Distribution getestet: Ubuntu Linux. Der Name beruht auf irgendeiner afrikanischen Sprache und ist auch nicht weiter wichtig.
Mal abgesehen davon, dass es in dieser Distribution den root Account nicht gibt und man (und potenzielle Angreifer) sich somit auch nicht als root anmelden kann und somit alles über sudo läuft, ist der wesentliche Unterschied dieser Distribution für mich, dass man ausschliesslich auf GNOME als unterstützten Window Manager setzt. Natürlich kann man sich jeden anderen Window Manager selbst installieren, als Debian Abkömmling geht das unter Ubuntu gewohnt einfach mittels apt-get, aber nach der Installation ist allein GNOME installiert und vorkonfiguriert.
Nun bin ich zwar ein Freund von möglichst schlanken und gut durchdachten Oberflächen – ‘smooth’ muss es sein – aber ich habe in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen mit GNOME gemacht und das fast so schlecht wie Motif aussehende GTK1, jagt mir immer noch einen Schauer über den Rücken. So waren die Vorraussetzungen denkbar schlecht.
Um es vorwegzunehmen: ganz so schlecht wie meine Vorurteile war GNOME nicht, aber es hat mich wirklich nicht vom Hocker gerissen.
Im Gegensatz zu KDE merkt man GNOME an, dass es einen anderen Weg geht. Während man bei KDE manchmal ob der vielen Schalter, Knöpfchen und Icons geradezu erschlagen wird, versucht GNOME dies dem Nutzer möglichst abzunehmen. Es gibt zwar 2 Einstellungsmenüs nach dem ersten Anmelden, aber wirklich viel ändern kann man nicht. Allerdings muss man dabei bedenken, dass GNOME bei weitem nicht so integriert wie KDE ist und viele Programme ihre eigenen Einstellungen und Konfigurationen mitbringen, allen voran die Proxy Einstellung. Wenn man einen Proxy in GNOME einstellt, wird der noch lange nicht in den – quasi offiziellen – Browser Mozilla/Firefox übernommen (ja ich weiss es gibt Epiphany, aber das ist nicht der Punkt).
Als erstes hab ich dann gleich mal den – für mich unter Linux neuen – Mechanismus getestet, der dafür sorgt, dass neu eingelegte Medien (CDROM, Usb-Stick, CD-Rohlinge) automatisch gemountet werden und das passende Programm dafür startet. Während dies wirklich gut funktioniert hat, aber eigentlich kein GNOME Feature ist, bin ich auf das CD Brennprogramm von Nautilus, dem Datei-Manager von GNOME gestossen. Und wurde riesig enttäuscht. Während ich zumindest noch bei den Einstellungen den Minimalismus der GNOME Entwickler nachvollziehen kann, kann ich es bei Features nicht: hinzugefügte Dateien werden anscheinend immer von ihrem Originalort in ein (anscheinend) temporäres ISO Image kopiert. Da die Dateien auf einem Samba Share lagen, hätte es entsprechend lange gedauert die zuerst auf die lokale Platte zu kopieren und dann auf die CD. Während man dies vielleicht noch auf das verwendete cdrecord schieben kann – keine Ahnung wie das unter k3b/kde gelöst ist – bin ich wirklich sauer, dass die GNOME Entwickler meinen für den User denken zu müssen. Es ist nämlich nicht möglich einfach so eine CD-RW zu löschen, da Nautilus das löschen erst dann automatisch macht, wenn eine CD-RW beschrieben werden soll. Offensichtlich halten die GNOME Macher die User für zu blöd, dieses Feature sinnvoll zu bedienen. Mal schnell die CD zu löschen ist nicht möglich.
Leider hab ich ähnliche Dinge an vielen Stellen innerhalb von GNOME gefunden. Zum Beispiel habe ich keine Möglichkeit gefunden, Samba Shares im Dateibaum zu mounten, nur innerhalb GNOMEs konnten die Anwendungen darauf zugreifen, ausserhalb GNOMEs standen diese Shares leider nicht zur Verfügung. Auch eine Einstellmöglichkeit, dass nicht für jedes Verzeichnis, dass ich geöffnet habe automatisch ein neues Fenster aufgeht – Windows ist leider standardmässig auch so verwirrend eingestellt – habe ich nicht gefunden.
Den Vogel schoss aber die “Registry” von GNOME ab. GNOME beruht ähnlich wie Windows auf einer zentralen Binär-Datenbank, in der praktisch alle Einstellungen gemacht werden. Auch ein “regedit” gibt es: gconf. Während in der Unix-Welt wie auch bei KDE sonst eher normale Text-Dateien Verwendung finden, gibt es nun also eine Registry. Im Prinzip spricht nichts dagegen, allerdings sind mir Textdateien lieber, da man auch im Notfall dort schnell Änderungen durchführen kann. Warum hat das Teil nun den Vogel abgeschossen? Nun, ich wollte in das GNOME Panel ein Applet integrieren, das mir die Anzahl der ungelesenen Nachrichten in meiner IMAP Mailbox anzeigen sollte. Nun ist mein IMAP Server nur per SSL erreichbar, leider hat sich das Applett daran wohl gründlich verschluckt. Jedenfalls waren ab diesem Zeitpunkt keine GNOME Panels mehr ansprechbar, kein Panel hat auf irgendwelche Eingaben (Tastendrücke, Mausklicks) mehr reagiert. Auch Neustarts halfen nichs. Da dies auch bei KDE häufiger passierte, dachte ich, dass ich einfach die GNOME Ordner im Home-Verzeichnis löschen muss und alles ist wieder auf Standard, also auch das Applet weg. Leider jedoch brachte das Löschen dieser Ordner (.gnome, .gnome2, .gconf, .gconfd) überhaupt nichts. Meine Einstellungen wurden ganz offensichlich nicht in meinem Homeverzeichnis gespeichert, sondern irgendwo anders in der GNOME Registry. Mittels gconf konnte ich auch weiterhin diese Einstellungen abrufen.
Als absoluter GNOME Newbie konnte ich mich nur mit einer Neuinstallation behelfen … ja ich schäme mich dafür
(einfach einen neuen User anzulegen, hat wegen Ubuntu selbst ein paar Schwierigkeiten mit sich gebracht)
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich auch weiterhin die Finger von GNOME lasse. Minimalismus hin oder her … irgendwie fühle ich mich bei GNOME in meiner Freiheit, etwas so bedienen zu wollen wie ich das will und nicht wie es die Entwickler vorsehen, eingeschränkt. Und wirklich gut aussehen tut GTK/GNOME immer noch nicht, trotz der moderneren Optik von GTK2 und einer guten Anzahl mitgelieferter Themes.
Fazit: Den Window Manager, bei dem mir wirklich alles gefällt, gibt es weiterhin nicht. Kann nicht einer mal eine Mischung aus WindowMaker, Xfce und KDE schreiben?
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