Solidarity anyone?

Bisher hat mich die Katastrophe in New Orleans nach dem Orkan “Katrina” im Fernsehen nicht wirklich interessiert. Klar, habe ich mitbekommen, dass New Orleans mittlerweile komplett unter Wasser steht und dass das für die betroffenen Menschen mit Sicherheit die grösste persönliche Katastrophe ihres Lebens ist.

Trotzdem habe ich die Berichte im TV nur mit dem halben Auge verfolgt. Sieht sich die USA doch gerne als bestes, freiestes, superduperstes Land der Welt, als Hort der Demokratie und der Freiheit, dass die restliche Welt eher als notwendiges Anhängsel, denn als gleichberechtigten Partner sieht. Dazu kommt natürlich das, was viele Menschen – auch im Kollgen- und Bekanntenkreis – sich eher im Stillen denken: wer 20-Liter-Autos fährt und sich um Klimaschutz einen Scheiss kehrt, ist halt selbst Schuld.
Natürlich muss man den Menschen trotzdem helfen, das hat nach der Flutwellen-Katastrophe in Asien funktioniert, das hat bei uns nach dem 2. Weltkrieg funktioniert und wenn die USA es möchte, wird auch ihnen geholfen werden.

In den letzten zwei Stunden habe ich aber erstmals in den letzten vier Tagen die News-Sender und ihren Berichten über die Katastrophe aufmerksam verfolgt. Und ich muss sagen, was dieses hochentwickelte, reiche und fortschrittliche Land, dieses Land, dass sich am laufenden Band selbst feiert, dass von sich selbst glaubt “God’s own country” zu sein, was dieses Land in den letzten vier Tagen nicht geschafft hast, ist absolut bemerkenswert. Das einzige, das bisher geschafft wurde, ist, dass der Präsident “Null-Toleranz” gegenüber Plünderern zeigen will, etwas, was er schon Terroristen angedroht hat. Ganz wichtig ist natürlich auch Plünderern anzkündigen, über den Haufen geschossen zu werden, sollten sie sich mit Vorräten eindecken. Vorräte, die die offiziellen Hilfsmassnahmen nicht liefern.

Es ist einfach unglaublich, dass bisher nicht viel von gegenseitiger Hilfe zu sehen ist, keine Menschen die sich gegenseitig helfen, keine Hotels, die Wohnraum zur Verfügung stellen, keine Handelsketten, die selbstlos Wasser und Nahrung in die von der Überschwemmung betroffenen Gebiete liefern. Irgendwie erschreckend. Ich kann mich an Berichte aus Asien erinnern, in denen europäische Helfer staunend von der Solidarität der Menschen untereinander erzählten, dass selbst europäische Touristen, die bei den Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten halfen, mit Freuden in die Häuser geholt wurden, mit Essen und Wasser versorgt wurden, mit offenen Armen aufgenommen wurden.
Gerade eben lief auf CNN eine Übertragung von schwarzen Kongressmitgliedern (u.a. Jesse Jackson Jr.), die genau dies mit drastischen Worten kritisierten, dass Wal-Mart, der grösste Einzelhandelskonzern der Welt, zwar Filialen in der Nähe von New Orleans hat, dass aber keine Hilfe kommt, dass die Bush-Administration zwar Soldaten verspricht, dass bisher aber NICHTS angekommen ist.

Mag sein, dass es für all diese Massnahmen noch zu früh ist, dass dies erst alles anlaufen muss, aber aus Asien habe ich keine Berichte gehört, dass Helfer, die Menschen evakuieren wollten, beschossen wurden, dass Menschen in einer grossen Traube untätig auf einer Strasse sitzen und einfach nur “Help! Help!” skandieren. Dies ist selbst in Deutschland bei den grossen Überschwemmungen 2002 nicht passiert, im Gegenteil, eine Welle der Solidarität ging durchs Land, die für dieses Land beispiellos war.

Werden es die Amis schaffen, dass ich meine nun noch schlechtere Meinung über sie überdenke?

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One Comment to “ Solidarity anyone? ”

  1. Indoril says:

    Ganz deiner Meinung (und davon abgesehen sehr gut geschrieben)! Es ist m.M. nach ein Armutszeugnis, wenn das “superduperstes Land der Welt” zwar “wunderbar” Krieg führen kann, es aber nicht schafft (hinterher) Kontrolle zu behalten (so geschieht es dieser Tage im Irak UND im eigenen Land) – kein Wunder zudem, wenn die Nationalgarde im Moment unterbesetzt ist…

    Ok, heute scheint die erste große Hilfslieferung gekommen zu sein und unter den Menschen ist teilweise schon etwas von gegenseitiger (selbst initiierter – wohlgemerkt!) Hile zu hören – was nichts grundlegendes an der Aussage ändert…

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