Das Schwarze Loch in Troja – ein Science-Fiction-Artikel

Mehr als 10 Jahre lang war ich ein glühender Stephen King Fan. Vom ersten Buch das ich von ihm 1991 gelesen habe (“The Last Stand”) bis zum siebten Band der “Der Dunkle Turm”-Saga (“Der Turm”) habe ich die meisten (nicht alle) Bücher von ihm käuflich erworben. Alle davon stehen bei mir im Bücherschrank. Das Buch “Der Turm” habe ich jedoch nie zu Ende gelesen. Die Gründe dafür sind aber Teil einer anderen Geschichte.

Eigentlich wollte ich jetzt von einem Autor schreiben, dessen Bücher ich fast noch mehr bewundere wie die von King. Bücher wie die “Hyperion-Gesänge“, “Ilium“, “Olympos“, “Vakuum-Diagramme” und “Zeitschiffe”. Alles großartige Bücher, in denen ich mich verlieren kann. Beim schreiben dieses Artikels ist mir jedoch aufgefallen, dass ich hier zwei Autoren peinlicherweise zu einem vermengt habe: Dan Simmons und Stephen Baxter.

Nach meiner “King-Periode” und nachdem ich den siebten Turm-Roman einfach nicht zu Ende lesen konnte, habe ich mich zunehmend mit moderner Science-Fiction beschäftigt. Nachdem die fantastischen Zukunftsvisionen aus SF-Romanen aus den 50er, 60er und 70er Jahren auch nicht nur annähernd eingetreten sind, haben moderne SF-Romane glaube ich deutlich dazugelernt. Kaum ein Buch das ich gelesen habe und Handlung im “von Menschen besiedelten Weltall” thematisiert, spielt zu nah in der Zukunft. 2-3 Jahrhunderte lassen die meisten vergehen, damit die Menschheit das Weltall besiedelt. SF-Romane, die etwas auf sich halten, setzen auch zunehmend darauf, modernste Theorien der Naturwissenschaften möglichst authentisch (so authentisch wie es bei Theorien nunmal geht) einzubauen, um eine möglichst “realistische” Möglichkeit zu erschaffen, den Weltraum zu bereisen und zu besiedeln.

Landläufig wird so etwas auch als “Hard-SF” bezeichnet. Und genau so liebe ich SF: ohne eine kurze Geschichte der Zeit zumindest einmal gelesen zu haben, von Bosonen und Quarks und Baryonen zumindest schonmal gehört zu haben und sich mit der Stringtheorie beschäftigt zu haben, versteht man den physikalischen Hintergrund dieser Bücher nur bedingt. Manchmal tritt dieser so deutlich hervor, das die meisten unbedarften Leser solche Bücher wohl angewidert weglegen würden. Ich denke da zum Beispiel an “Diaspora” von Greg Eagan, in dem der Autor einer Diaspora der Menschheit hin zu digitalen Lebewesen und schlußendlich in andere Universen so ziemlich alle Strömungen der theorischen Physik, der Biologie und der Astronomie in ein einziges Buch quetscht. Ich bin begeistert!

Dan Simmons und Stephen Baxter sind deutlich zurückhaltender, aber auch diese beiden mischen Stringtheorien und Quanten bunt zusammen mit sprühenden und lebendigen Stories und es ergibt sich ein Mix in dem ich mich verlieren kann. Die bereits oben genannten Bücher habe ich nun schon mehrfach gelesen und es spricht für die beiden, dass ich sie gemeinsam zu einem fiktiven Autor zusammengemischt habe.

In “Ilium” und “Olympos” beispielsweise verbindet Dan Simmons Homers “Ilias” mit den Werken von Shakespeare zu einer reinrassigen Science-Fiction-Geschichte. Die Schauplätze dieser beiden Romane spielen auf einem zukünftigen Mars (der Heimat von griechischen Göttern wie Zeus, Athene und Aphrodite), einer hyper-modernen Erde, die von unwissenden, dummen und nicht einmal des Lesens fähigen Altmenschen bevölkert ist und Troja, dem Ort wo sich Griechen und Trojaner in einem “ewigen Krieg” bekämpfen. Die Charaktere von Shakespeare (z. B. Prospero oder Caliban)  und Homer (Odysseus, Helena, Achilles) werden so geschickt in die moderne SF-Geschichte integriert, dass etwas einzigartiges entsteht. Unbedingte Leseempfehlung!

“Die Zeitschiffe” von Stephen Baxter beginnt dagegen da, wo “Die Zeitmaschine” von H.G. Wells aufgehört hat. Als autorisierte Fortsetzung dieses SF-Klassikers kehrt der bekannte Held zurück zu den Elois und Morlocks, nur um festzustellen, dass seine eigene Zeitreise unvorhersehbare Auswirkungen auf die Zeitlinie hat und nichts mehr so ist wie es war. Nachdem er sich mit einem Morlock angefreundet hat, brechen die beiden auf eine fast unendlich währende Zeit-Odyssee auf, die gegen Ende hin immer merkwürdiger und moderner wird. Der Roman hat durchaus seien Längen, wie eigentlich alle Romane von Baxter, aber die Umgebung die Geschichte ist so interessant, dass ich einfach nicht davon loskommen konnte.

Einen besonderen Platz in meinem Herzen haben auch die diversern Romane von Stephen Baxter aus seinem Xelee-Zyklus eingenommen. In der Qualität und der Spannung durchaus sehr variierend, ist es doch faszinierend eine Geschichte mit einem Spannungbogen über Millionen und Milliarden Jahren zu lesen. Der Menschheit von heute zuzuschauen, die sich über hunderte und tausende und Millionen von Jahren entwickelt und sicher nicht nur zum guten. Wenn wie in “Sternenkinder” in einem bereits mehrere hunterttausend Jahre andauernden Krieg gegen die Xelee Millionen von Kindern nur dazu gezüchtet werden, um in Sekunden bei einem nutzlosen Angriff auf eine Xelee-Basis wie Insekten zu verglühen, ist dies völlige Normalität. Die Xelee als mächtige Überwesen, die sich überhaupt nicht um die Menschheit kümmern und gerade dadurch zum “Hauptfeind” der Menschheit werden, werden in den Büchern, die ich aus diesem Zyklus besitze wenn überhaupt nur am Rande beschrieben, meistens aus der Perspektive der Motte – der eines Menschen, selten aus der entrückten Perspektive eines Erzählers. Sie sind das ultimativ Böse, aber irgendwie auch das Gute, das einen Krieg von der verdorbenen Menschheit aufgezwungen bekommt. Bücher aus dem Xelee-Zyklus sind zum Beispiel: “Transzendenz“, “Vakuum-Diagramme“, “Sternenkinder“.

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