(no spoilers included!)
Den ganzen Samstag und den halben Sonntag mit Battlestar Galactica schauen verbracht, ich glaub ich muss mich am Montag vom Wochenende erholen.
Nachdem ich schon öfters nur gutes über BSG gelesen hatte, war ich doch sehr, sehr misstrauisch und habe die Neuverfilmung erst mit der Ausstrahlung auf RTL2 das erste mal gesehen. Die Originalserie in den 70er und 80er Jahren war zwar ganz nett (vor allem Commander “Bonanza” Adama), aber eigentlich doch mehr Trash als gute Unterhaltung.
Umso mehr überrascht hat mich der Pilotfilm: trotz Verstümmelung und nervigen Klingelton- und Gewinnspiel-Einblendungen bei RTL2. So habe ich mir direkt nach dem Pilotfilm die halbe zweite Season reingezogen und bin süchtig geworden. Eine SF-Serie quasi ohne Science, dafür aber mit unheimlich starken Charakteren und einer äusserst spannenden Story, lässt mich einfach nicht kalt. Im Gegensatz zu 4 Seasons von “Star Trek: Enterprise”, durch die ich mich mehr schlecht als recht gequält hat, kann ich hier die nächste Folge in der nächsten Woche fast nicht erwarten. Parallele Erzählstränge, Cliffhanger, kontinuierliche Storylines und starke Schauspieler kannte ich im SF-Bereich eigentlich nur aus “Babylon 5″-Zeiten. Während B5 aber die erste Season quasi verschenkt hat und erst mit der zweiten Season das zugrundeliegende Konzept immer besser wurde, fiebert man bei Commander Adama von der ersten Minute an mit.
Nach Schauen der ersten Season am Wochenende möchte ich für mich behaupten, die beste erste Season einer Fernsehserie überhaupt gesehen zu haben. Normalerweise brauchen ja Schauspieler, Drehbuchschreiber und auch Zuschauer ein paar Folgen um sich aneinander zu gewöhnen (siehe “Star Trek: Deep Space Nine” oder das schon angesprochene B5).
Vermutlich hilft dabei aber auch das bereits bekannte Universum aus Menschen und Zylonen mit den auch in der neuen Verfilmung vorhandenen Charakteren: Commander Adama, Apollo, Starbuck (diesmal als Frau), Baltar. Bekannte Elemente aus der Originalserie werden behutsam, aber überzeugend in die neue Serie übernommen. So feiert man u.a. ein Wiedersehen mit den Kampfraumschiffen “Viper” (im Pilotfilm sogar mit Originalmodell im Museum) oder den Basisschiffen der Zylonen.
Ebenfalls überraschend, im Ergebnis aber völlig überzeugend war für mich der äusserst sparsame Einsatz von “Science” in einer Science-Fiction-Serie. Während den “Star Trek”-Serien immer wieder vorgewurfen wurde, eine ausweglose Situation mit Technobabble zu lösen (also dem Zuschauer unverständlichen Technik-Spielkram zu präsentieren, mit dem die Helden die zuvor unlösbare Situation im Nu lösen können) kommt so etwas bei der Galactica eigentlich nie vor. Mit Ausnahme der Tatsache, dass die Menschen auf der Galactica Raumschiffe fliegen und einen überlicht-schnellen Antrieb haben, könnte Commander Adama auch ein beliebigen Flugzeugträger aus den 80er Jahren im Atlantik steuern. Die technische Ausstattung ist geradezu antik: kaum Computer, Telefone mit Ringelschnur und auch keine Laserwaffen! Während das storytechnisch damit begründet wird, dass die Galactica im Pilotfilm eigentlich abgewrackt werden sollte, ist es für die Macher hinter der Kamera klar: Special Effects nur dort einsetzen wo sie unbedingt gebraucht werden (dann aber richtig), ansonsten wird sich eindeutig auf die Story, die Charaktere und die Schauspieler konzentriert.
Überhaupt die Schauspieler: eigentlich fällt mir keine Figur und kein Schauspieler ein, der ein Totalausfäll wäre. Während Trip auf der “Enterprise” nur genervt hat, habe ich jeden auf der Galactica irgendwie lieb gewonnen: Commander Adama als der Ruhepol auf der Brücke, Kara und Lee als heißblütige Piloten die sich mehr unterscheiden als sich ähnlich sind, der verrückte Wissenschaftler Gaius Baltar, die meist nur wenig mehr als nichts (manchmal lässt sie das wenig mehr auch weg) tragende Number Six und nicht zuletzt die liebenswerte, aber viel zu selten auftauchende Mechanikerin Cally. Alle Darsteller liefern hervorragende Leistungen ab und kein Charakter ist 100% böse oder 100% gut. BSG ist kein Heldenepos á la Hercules in dem die guten Menschen gegen die Cylonen kämpfen und am Ende sich alle glücklich in den Armen liegen.
Nun habe ich viel mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Als Fazit kann ich nur sagen: Battlestar Galactica ist das beste was das SF-TV momentan zu bieten hat!
Battlestar Galactica: jeden Mittwoch auf RTL2 oder jeden Samstag in ihrem persönlichen phasenverschobenen, transdimensionalen Quantenzeitportal.
So say we all!